Angekommen

Zusammen mit dem Wiesbadener Flüchtlingsrat (Dort wird tolle Arbeit geleistet! Mehr Infos unter http://www.fluechtlingsrat-wiesbaden.de/) hat nun mein Portrait-Projekt "Angekommen" begonnen. Ziel ist es, zehn Personen zu porträtieren, die ihre Heimat verlassen mussten und nun in Wiesbaden leben. Das Projekt möchte dazu beitragen, sie durch die Portraits etwas besser kennen zu lernen und einen Einblick in die unterschiedlichen Herkunftsländer zu erhalten. 

Für jedes Portrait wird ein Vorgespräch geführt, bei dem gemeinsam festgelegt wird, wie die jeweilige Person abgebildet werden möchte. In diesem Zusammenhang entscheidet sich jede Person für zwei Farben, die zusammen mit schwarz und weiß die Farbpalette für das entsprechende Portrait bilden. Wenn das Portrait weitgehend gemalt ist, findet ein weiteres Gespräch statt, in dessen Rahmen geklärt wird, ob das Modell mit der Art der Darstellung einverstanden ist und ob ggf. Änderungs- oder Ergänzungswünsche bestehen. Außerdem besprechen wir die Art der Zusatzinformationen, die zu jedem Bild gehören.

Der Erlös der Bilder geht an das jeweilige Modell.


Theresa, George und Talin,  2015, Öl auf Leinwand, 110 x 70 cm
Theresa, George und Talin, 2015, Öl auf Leinwand, 110 x 70 cm

THERESA, GEORGE UND TALIN

 

Für dieses Portrait verwendete ich die Farben ocker und cadmium rot.

Wenn man sieht, wie glücklich diese wunderbare Familie ist, zusammen in Sicherheit zu leben, wird klar, dass eine Begrenzung des Familiennachzugs überhaupt keine Alternative ist.

http://www.zeit.de/…/fluechtlingskrise-familiennachzug-unio…

https://www.tagesschau.de/…/familiennachzug-syrien-fluechtl…

Theresa, George und Talin aus Syrien singen gerne zusammen und ganz besonders lieben sie dieses Weihnachtslied:

https://www.youtube.com/watch?v=43oAAgkSOl8

 


Mahdi, 2015, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm
Mahdi, 2015, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm

MAHDI

Mahdi wählte die Farben saftgrün und  cadmium rot für sein Portrait. 

Mahdi kommt aus Wardak (https://de.wikipedia.org/wiki/Wardak) in Afghanistan. Er interessiert sich sehr für Kunst und zeichnet auch selbst. Mit seinem Portrait möchte Mahdi auf die Kunstszene in Afghanistan aufmerksam zu machen. Dazu gibt es einen sehr eindrucksvollen und sehr bewegenden Dokumentarfilm „Creative Despite War“, in dem vier afghanische Künstler (Graffiti, Musik, Theater und Malerei) vorgestellt werden. Unbedingt ansehen! Hier die Zusammenfassung zum Film:

„Despite more than 30 years of conflict, despite violence, poverty, fundamentalism and war, there is a blossoming artistic movement in Afghanistan willing to be seen. Creative Despite War foregrounds four of the most innovative young Afghan artists in their struggle to create and show their artwork, in a country were freedom of expression can often be life threatening. Despite of this fact, their art is slowly taking over the cities: from paintings on Kabul’s semi destroyed walls to heavy metal underground concerts. The film takes us on a journey into Afghanistan’s growing artistic movement and into the intimate world of these artists, showing the impact of their artistic work in the construction of a new Afghan society, and proving that there is another perspective to see the country beyond the conflict.“

http://creativedespitewar.org/

Weitere Informationen zu Kunst in bzw. aus Afghanistan finden sich auch hier:

http://www.deutschlandradiokultur.de/kunst-aus-afghanistan-…

http://www.fnp.de/…/Krieg-Kunst-Kabul-documenta-weckt-Hoffn…


Talin, 2015, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, in Privatsammlung
Talin, 2015, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, in Privatsammlung

TALIN

Für das Portrait von Talin wurden die Farben königsblau und saftgrün verwendet.  

Talin kommt aus Syrien und möchte mit ihrem Portrait und einem Gedicht dazu an die Menschen erinnern, die auf dem Weg nach Deutschland ihr Leben an das Meer verloren haben.

"Das Meer weint nicht, lass uns auch nicht mehr weinen. 

Schlucke deine Tränen herunter, weil uns die Tränen schmerzen.

Unser Land sind die Wellen, 

weil es kein Land auf der Erde gibt, das uns nimmt.

Das Meer weint nicht um Menschen, 

die Steine weinten – Königinnen und Könige weinten nicht.

Alle Länder verschließen ihre Türen, 

nur der Himmel begrüßt uns."



Berola, 2015, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm
Berola, 2015, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm

BEROLA

Berola kommt aus Syrien. Sie wählte für das Portrait die Farben königsblau und magenta. 

 

Berola kocht sehr gerne für ihre Familie und dies ist ihr Lieblingsrezept:

Weinblätter

500g Weinblätter

200g Reis

2 Zehen Knoblauch

250g Hackfleisch (vom Rind)

2 EL Tomaten- und Paprikamark

Salz und Pfeffer 

Saft einer Zitrone

Paprikapulver (scharf) 

1 EL getrocknete Pfefferminze

½ Tasse Öl oder Butter

Den Reis waschen und mit dem Fleisch und allen anderen Zutaten mischen.

Die Weinblätter mit der Reismischung füllen: einen Esslöffel Reismischung auf das Blatt geben und die Weinblattseiten darüber klappen, so dass eine kleine Rolle entsteht. Die gefüllten Weinblätter werden dann in einem Topf mit ½ Liter Wasser ca. 1 Stunde auf kleiner Stufe gekocht.

Guten Appetit!

 

Mehr Informationen zu diesem traditionellen orientalischen Gericht finden sich hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Dolma


Joseph, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015
Joseph, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015

JOSEPH

Mein erstes Modell war Joseph. Er entschied sich für die Farben ocker und türkisblau.

 

Joseph kommt aus Eritrea. Was weiss ich über Eritrea? Ich muss gestehen, ich musste mich erst mal schlau machen. Hilfreich fand ich die Informationen dieser Seiten

http://www.tagesschau.de/ausland/eritrea-100.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Eritrea

http://www.faz.net/aktuell/politik/eritrea-das-afrikanische-nordkorea-12895245.html

 

Die Arbeit mit Joseph war sehr spannend. Er brachte sein Instrument mit, eine Krar (http://de.wikipedia.org/wiki/Krar), und spielte darauf ein Lied, das er im März 2014 in einem lybischen Gefängnis geschrieben hat. Es ist das Lied von der Liebe, das man hier hören kann: https://www.youtube.com/watch?v=fVLNDZWaYqI&feature=em-upload_owner


Kamal, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015
Kamal, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015

KAMAL 

Auch Kamal kommt aus Eritrea. Er entschied sich für die Farben königsblau und lindgrün.

 

Kamal kommt aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Teseney (http://en.wikipedia.org/wiki/Teseney), an der Grenze zum Sudan. Er bewirtschaftete mit seiner Familie eine kleine Landwirtschaft, in der er vorwiegend Tomaten und Wassermelonen anbaute. Die Landwirtschaft ist in Eritrea ein mühsames Geschäft, denn das Land ist sehr trocken. Nur 5% der Landfläche gelten als kulturfähig und nur 0,03% der Landfläche kann dauerhaft landwirtschaftlich genutzt werden. Kamals Dorf liegt am Fluss Gash, der zur Bewässerung der Felder genutzt wird. Allerdings führt der Gash nicht ganzjährig Wasser (http://de.wikipedia.org/wiki/Mareb).


Nader, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015
Nader, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015

NADER 

Nader Fallouh wurde 1953 in Daraa, etwa 100 km südlich von Damaskus, in Syrien (http://de.wikipedia.org/wiki/Syrien) geboren.

Für sein Portrait verwendete ich die Farben ocker und cadmium rot.

 

Nader machte zunächst eine Ausbildung in der Textilindustrie und studierte dann an der Fakultät der Bildenden Künste an der International Arab University. In der Folge arbeitete er als Designer für Teppiche und gedruckte Stoffe. Interessante Informationen über Orientteppiche und deren Herstellung finden sich beispielsweise hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Orientteppich

 

Nader Fallouh lebt heute als Maler und seine Bilder wurden bereits vielfach in Syrien aber auch in Deutschland gezeigt. Er malt sowohl gegenständlich, arabische Landschaften und Gebäude, als auch in abstrakter Farbenvielfalt. Online sind seine Bilder hier zu sehen: https://www.facebook.com/naderfallouhpainting


Gaby, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015
Gaby, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015

GABY 

Für das Portrait von Gaby verwendete ich die Farben ocker und cadmium rot.

 

Gaby möchte mit diesem Bild an den Völkermord an den Assyrern und den Aramäern in der Zeit von 1915 bis 1917 während des Ersten Weltkrieges erinnern (https://de.wikipedia.org/…/V%C3%B6lkermord_an_den_Assyrern_…). Er ist selbst Aramäer und seine Vorfahren waren von den Ereignissen direkt betroffen.

 

Auf dem Bild fordert Gaby mit dem Aufruf „Turkey must recognize the genocide!“, dass die Türkei die Vorfälle als Völkermord anerkennen. Der Hashtag ‪#‎SEYFO100‬ führt zur entsprechenden Seite auf Twitter, wo die entsprechende Diskussion zu verfolgen ist. Der Begriff „Seyfo“ stammt aus dem Aramäischen und bedeutet „Schwert“. Die Zahl „100“ erinnert an die Vorfälle vor 100 Jahren. Gaby steht vor der aramäischen Flagge, einem gelben Adler auf rotem Grund. Der Kopf des Adlers ist durch eine stilisierte Fackel ersetzt. Sie steht für das Feuer des Heiligen Geistes und ist ein christliches Symbol. (http://www.flaggenlexikon.de/faramae.htm)

 

Nach den osmanischen Niederlagen an der Kaukasusfront gegen Russland wandten sich die osmanische Regierung, Armee sowie türkische und kurdische Milizen gegen die armenischen und andere christliche Bewohner in ihrem Reich. Diese wurden als Verbündete und Unterstützer des christlich-orthodoxen Zarenreiches betrachtet. Viele der Opfer starben bei Todesmärschen in die Syrische Wüste an Durst, Hunger, Erschöpfung oder Misshandlungen. Verlässliche Opferzahlen existieren nicht; die Zahlenangaben zu den assyrisch-aramäischen Opfern schwanken stark und reichen von 100.000 bis 250.000.

 

Der Völkermord an den Aramäern, Assyrern und Chaldäern ist einer der am wenigsten bekannten der modernen Geschichte. Die Heterogenität der betroffenen Volksgruppen in wirtschaftlich unbedeutendem Grenzland führte zu einer Vielzahl an lokalen Erfahrungen und selektiven Erinnerungen. Das Gesamtgeschehen des Völkermords zersplitterte so in einzelne, regionale Narrative im Schatten des weit größeren Genozids an den Armeniern. Überlebende berichteten oft nur von lokalen Konflikten mit Nomaden oder muslimischen Fanatikern, die Gründe und Zusammenhänge für Vertreibung und Massaker blieben in dieser lokalen Dimension verborgen. Die türkische Regierung leugnet bislang den Völkermord. Eine internationale Anerkennung des Geschehens gibt es noch nicht.

 

Weiterführende Informationen zum Völkermord an den Assyrern und Aramäern finden sich u. a. auch hier:

http://www.zeit.de/gesellscha…/…/voelkermord-suryoye-tuerkei

http://www.oromoye.de/

http://zavd.de/tag/seyfo/


Marwa, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015
Marwa, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015

MARWA

Marwa kommt aus Kabul in Afghanistan und wählte die Farben magenta und chromoxydgrün für das Portrait.

 

Afghanistan ist ein Hochgebirgsland und weniger als 10 Prozent der Landesfläche liegen unterhalb von 600 m Meereshöhe.  Mit einer Fläche von insgesamt 652 090 km² ist das Land etwa doppelt so groß wie Deutschland.

Obwohl die Vegetation des Landes überwiegend karg und durch Steppen und Wüstensteppen geprägt ist, bietet Afghanistan wegen seiner unterschiedlichen Höhenlagen sehr viele verschiedene Lebensräume. So gibt es in Afghanistan ca. 4000 verschiedene Pflanzenarten (in Deutschland nur ca. 2000), von denen 35 Prozent in Afghanistan endemisch sind und nur hier vorkommen. (http://www.kabul.diplo.de/Vertretung/kabul/de/06/Hochschule/Pflanzenatlas__Afghanistans__Field__Guide__Afghanistan__s.html)

Im zentralen Hochland finden sich beispielsweise dornige Polsterpflanzen und Beifußgewächse. In den tieferen Lagen des Hindukusch wachsen auch Baumfluren mit Pistazienbäumen, in größerer Höhe gedeihen Wacholderbestände. In den Wüstenregionen des Südens finden sich Salzpflanzen, wie z. B. der Salzkönig, ein magentafarbenes schillerndes Gänsefußgewächs (Halarchon vesiculosum), das nur in Süd-Afghanistan vorkommt. Diese Pflanze hält sehr viel Salz aus und ich habe versucht, sie am Bildrand links unten in das Portrait zu integrieren. (https://de.wikipedia.org/wiki/Afghanistan)


Anis, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015
Anis, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015

ANIS

Für dieses Portrait verwendete ich die Farben cölinblau und cadmiumgelb.

Anis kommt aus Afghanistan und wünschte sich ein Bild, das ihre Träume, Hoffnungen und Wünsche zum Ausdruck bringt. Ihre Hoffnungen beziehen sich auf ihre Heimat Afghanistan, betreffen aber auch alle anderen Länder, in denen Ungleichheit und Ungerechtigkeit, Gewalt und Zerstörung vorherrscht: 

  • Anis lebt mit ihren beiden Geschwistern in Wiesbaden. Sie vermisst ihre Eltern sehr und ist in großer Sorge um sie. Anis hofft, dass auch ihre Eltern noch zu ihnen nach Wiesbaden kommen können. 
  • Anis wünscht sich, ihre Ausbildung als Biologisch-Technische Assistentin gut abzuschließen und danach einen Arbeitsplatz zu finden.
  • Sie hofft auf ein Afghanistan, in dem Frauen - wie in Deutschland - frei sind, arbeiten können und Rechte haben, die Schule besuchen und studieren dürfen. 
  • Sie träumt davon, dass Frauen unabhängig von der Willkür ihrer Ehemänner leben können und beispielsweise vor Gericht ebenfalls faire Rechtsprechung – jenseits von körperlicher Züchtigung durch die Ehemänner - erhalten dürfen. 
  • Sie hofft darauf, dass sich die Armut in ihrem Heimatland reduziert. Solange den Menschen die notwendigsten Dinge wie Trinkwasser und Nahrung fehlen, ist ein gewaltfreies Zusammenleben undenkbar. 
  • Anis hofft auf Frieden. Sie wünscht sich, dass alle Ethnien und Religionen mit- und nebeneinander leben können und Freundschaften nicht aufgrund von ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit geschlossen werden, sondern aufgrund von Zuneigung und Sympathien, Hilfsbereitschaft und Verständnis füreinander.