sonntags

An Ostern 2017 startete das große, bis auf weiteres fortlaufende Projekt sonntags. In dieser Portraitserie geht es um die Frage „Wer ist die Stadt?“. Wer lebt in einer Stadt und wer macht eine Stadt aus? Aber auch, was macht den Menschen aus?

 

Jeden Sonntag verteilt die Private Obdachlosenhilfe Wiesbaden Nahrung und Kleidung an die Menschen, die sich mittags auf dem Luisenplatz in Wiesbaden einfinden. Die Portraitserie sonntags zeigt die Menschen, die mir dort begegnet sind.

 

Die Bilder male ich nach Fotos, die bei diesen Begegnungen entstehen. Die Modelle sind Menschen, die es nicht gewohnt sind, ständig fotografiert zu werden; die, sobald sie eine Kamera erblicken, ein professionelles Fotografier-Gesicht aufsetzen. Und doch sind sie gut darin, sich nicht zu zeigen, sich zu verstecken und zu verstellen, um sich selbst zu schützen.

 

Er ist kurz, der ehrliche Moment, der mir - quasi als Einverständnis und Vertrag der gemeinsamen Arbeit - erlaubt, ein Foto zu machen. Ich muss mich beeilen. Dann ist der Moment vorbei, die Person wendet sich ab, das angedeutete Lächeln gleitet aus den Gesichtszügen, wird vielleicht laut und verändert sich: ich beginne lästig zu werden. Den kurzen Moment der Zustimmung, des entgegengebrachten Vertrauens, die Öffnung mir gegenüber, gilt es im Portrait festzuhalten.

 

Der Name der Serie sonntags bezieht sich auf den Wochentag der Begegnungen, stellt aber auch einen Bezug zum Begehen des „Heiligen Tages“ dar. Der Sonntag ist vielleicht der Tag, an dem man einen Sonntagsbraten isst, an dem man sich herausputzt und mit der Familie einen Sonntagsausflug macht. Oder nicht? Um Neues zu sehen, müssen oft neue Perspektiven eingenommen, manchmal auch Komfortzonen verlassen werden. Öffnen wir die Augen, um zu sehen. Schauen wir hin.

 

 

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