Angekommen

Das Portrait-Projekt "Angekommen" fand zusammen mit dem Wiesbadener Flüchtlingsrat im Jahr 2015 statt. Ziel war es, zehn Personen zu porträtieren, die ihre Heimat verlassen mussten und nun in Wiesbaden leben. Das Projekt wollte dazu beitragen, die Personen durch die Portraits etwas besser kennen zu lernen und einen Einblick in die unterschiedlichen Herkunftsländer zu erhalten.

 

Für jedes Portrait wurden ein Vorgespräch und ein Nachgespräch geführt, bei dem gemeinsam festgelegt wurde, wie die jeweilige Person abgebildet werden möchte und welche Zusatzinformationen integriert werden sollten. Ganz im Sinne eines sparsamen Reisegepäcks wählte jede Person dabei zwei Farben, die zusammen mit schwarz und weiß meine Farbpalette für das entsprechende Portrait bildeten. So wie die Personen während ihrer Flucht und in der Anfangszeit danach mit wenig auskommen mussten und häufig mit Fremdbestimmtem konfrontiert waren, wollte auch ich mich bei den Portraits auf wenige Farben beschränken, die mir von den Modellen vorgegeben wurden. Dies erwies sich in der Umsetzung manchmal als sehr herausfordernd.


Theresa, George und Talin,  2015, Öl auf Leinwand, 110 x 70 cm
Theresa, George und Talin, 2015, Öl auf Leinwand, 110 x 70 cm

George, Theresa und Talin

 

Für dieses Portrait verwendete ich die Farben ocker und cadmium rot. Theresa, George und Talin aus Syrien singen gerne zusammen und ganz besonders lieben sie dieses Weihnachtslied:

 

 


Mahdi, 2015, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm
Mahdi, 2015, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm

Mahdi

 

Mahdi wählte die Farben saftgrün und cadmiumrot für sein Portrait.

 

Mahdi kommt aus Wardak in Afghanistan. Er interessiert sich sehr für Kunst und zeichnet auch selbst. Mit seinem Portrait möchte Mahdi auf die Kunstszene in Afghanistan aufmerksam zu machen. Dazu gibt es einen sehr eindrucksvollen und bewegenden Dokumentarfilm „Creative Despite War“, in dem vier afghanische Künstler (Graffiti, Musik, Theater und Malerei) vorgestellt werden.


Talin, 2015, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, in Privatsammlung
Talin, 2015, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, in Privatsammlung

TALIN

 

Für das Portrait von Talin wurden die Farben königsblau und saftgrün verwendet.

 

Talin kommt aus Syrien und möchte mit ihrem Portrait und einem Gedicht dazu an die Menschen erinnern, die auf dem Weg nach Deutschland ihr Leben an das Meer verloren haben.

 

Das Meer weint nicht, lass uns auch nicht mehr weinen.

Schlucke deine Tränen herunter, weil uns die Tränen schmerzen.

Unser Land sind die Wellen,

weil es kein Land auf der Erde gibt, das uns nimmt.

Das Meer weint nicht um Menschen,

die Steine weinten – Königinnen und Könige weinten nicht.

Alle Länder verschließen ihre Türen,

nur der Himmel begrüßt uns.



Berola, 2015, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm
Berola, 2015, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm

Berola

 

Berola kommt aus Syrien. Sie wählte für das Portrait die Farben königsblau und magenta.

 

Berola kocht sehr gerne für ihre Familie und dies ist ihr Lieblingsrezept:

Weinblätter

500g Weinblätter

200g Reis

2 Zehen Knoblauch

250g Hackfleisch (vom Rind)

2 EL Tomaten- und Paprikamark

Salz und Pfeffer

Saft einer Zitrone

Paprikapulver (scharf)

1 EL getrocknete Pfefferminze

½ Tasse Öl oder Butter

Den Reis waschen und mit dem Fleisch und allen anderen Zutaten mischen.

Die Weinblätter mit der Reismischung füllen: einen Esslöffel Reismischung auf das Blatt geben und die Weinblattseiten darüber klappen, so dass eine kleine Rolle entsteht. Die gefüllten Weinblätter werden dann in einem Topf mit ½ Liter Wasser ca. 1 Stunde auf kleiner Stufe gekocht.

Guten Appetit!


Joseph, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015
Joseph, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015

Joseph

 

Mein erstes Modell war Joseph. Er entschied sich für die Farben ocker und türkisblau.

 

Joseph kommt aus Eritrea.Die Arbeit mit Joseph war sehr spannend. Er brachte sein Instrument mit, eine Krar, und spielte darauf ein Lied, das er im März 2014 in einem lybischen Gefängnis geschrieben hat. Es ist das Lied von der Liebe, das man hier hören kann:

 

 

 

 

 

 

 


Kamal, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015
Kamal, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015

Kamal

 

Auch Kamal kommt aus Eritrea. Er entschied sich für die Farben königsblau und lindgrün.

 

Kamal kommt aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Teseney, an der Grenze zum Sudan. Er bewirtschaftete mit seiner Familie eine kleine Landwirtschaft, in der er vorwiegend Tomaten und Wassermelonen anbaute. Die Landwirtschaft ist in Eritrea ein mühsames Geschäft, denn das Land ist sehr trocken. Nur 5% der Landfläche gelten als kulturfähig und nur 0,03% der Landfläche kann dauerhaft landwirtschaftlich genutzt werden. Kamals Dorf liegt am Fluss Gash, der zur Bewässerung der Felder genutzt wird. Allerdings führt der Gash nicht ganzjährig Wasser.


Nader, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015
Nader, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015

 

Nader

 

Für das Portrait von Nader verwendete ich die Farben ocker und cadmium rot.

Nader Fallouh wurde 1953 in Daraa, etwa 100 km südlich von Damaskus, in Syrien geboren. Nader machte zunächst eine Ausbildung in der Textilindustrie und studierte dann an der Fakultät der Bildenden Künste an der International Arab University. In der Folge arbeitete er als Designer für Teppiche und gedruckte Stoffe.

Nader Fallouh lebt heute als Maler und seine Bilder wurden bereits vielfach in Syrien aber auch in Deutschland gezeigt. Er malt sowohl gegenständlich, arabische Landschaften und Gebäude, als auch in abstrakter Farbenvielfalt. Online sind seine Bilder hier zu sehen:

 

 

 


Gaby, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015
Gaby, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015

Gaby

 

Für das Portrait von Gaby verwendete ich die Farben ocker und cadmium rot.

 

Gaby möchte mit diesem Bild an den Völkermord an den Assyrern und den Aramäern in der Zeit von 1915 bis 1917 während des Ersten Weltkrieges erinnern. Er ist selbst Aramäer und seine Vorfahren waren von den Ereignissen direkt betroffen.

Auf dem Bild fordert Gaby mit dem Aufruf „Turkey must recognize the genocide!“, dass die Türkei die Vorfälle als Völkermord anerkennen.

Die Zahl „100“ erinnert an die Vorfälle vor 100 Jahren. Gaby steht vor der aramäischen Flagge, einem gelben Adler auf rotem Grund. Der Kopf des Adlers ist durch eine stilisierte Fackel ersetzt. Sie steht für das Feuer des Heiligen Geistes und ist ein christliches Symbol.


Marwa, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015
Marwa, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015

Marwa

 

Marwa kommt aus Kabul in Afghanistan und wählte die Farben magenta und chromoxydgrün für das Portrait.

 

Afghanistan ist ein Hochgebirgsland und weniger als 10 Prozent der Landesfläche liegen unterhalb von 600 m Meereshöhe. Mit einer Fläche von insgesamt 652 090km² ist das Land etwa doppelt so groß wie Deutschland.

 

Obwohl die Vegetation des Landes überwiegend karg und durch Steppen und Wüstensteppen geprägt ist, bietet Afghanistan wegen seiner unterschiedlichen Höhenlagen sehr viele verschiedene Lebensräume. So gibt es in Afghanistan ca. 4000 verschiedene Pflanzenarten (in Deutschland nur ca. 2000), von denen 35 Prozent in Afghanistan endemisch sind und nur hier vorkommen.


Anis, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015
Anis, Öl auf Leinwand, 110 cm x 70 cm, 2015

Anis

 

Für dieses Portrait verwendete ich die Farben cölinblau und cadmiumgelb.

 

Anis kommt aus Afghanistan und lebt mit ihren beiden Geschwistern in Wiesbaden.

 

Anis wünschte sich ein Bild, das ihre Träume, Hoffnungen und Wünsche zum Ausdruck bringt:

  • Sie vermisst ihre Eltern und ist in Sorge um sie. Anis hofft, dass auch ihre Eltern noch zu ihnen nach Wiesbaden kommen können.
  • Anis wünscht sich, ihre Ausbildung als Biologisch-Technische Assistentin gut abzuschließen und danach einen Arbeitsplatz zu finden.
  • Sie hofft auf ein Afghanistan, in dem Frauen - wie in Deutschland - frei sind, arbeiten können und Rechte haben, die Schule besuchen und studieren dürfen.
  • Sie träumt davon, dass Frauen unabhängig von der Willkür ihrer Ehemänner leben können und beispielsweise vor Gericht ebenfalls faire Rechtsprechung – jenseits von körperlicher Züchtigung durch die Ehemänner - erhalten dürfen.
  • Sie hofft darauf, dass sich die Armut in ihrem Heimatland reduziert. Solange den Menschen die notwendigsten Dinge wie Trinkwasser und Nahrung fehlen, ist ein gewaltfreies Zusammenleben undenkbar.
  • Anis hofft auf Frieden. Sie wünscht sich, dass alle Ethnien und Religionen mit- und nebeneinander leben können und Freundschaften nicht aufgrund von ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit geschlossen werden, sondern aufgrund von Zuneigung und Sympathien, Hilfsbereitschaft und Verständnis füreinander.