Jahresrückblick 2017

Liebe Leserin, lieber Leser,


der Prozess ist immer der gleiche: Ich winde mich und prokrastiniere, denn ein Jahr Revue passieren zu lassen, um den jährlichen Newsletter zu verfassen, ist mühsam. Die Sätze weichen mir aus, spielen Fangen mit mir und foppen mich. Was habe ich mir vorgenommen und was habe ich tatsächlich gemacht? Dieser jährliche Meilenstein ist – wenn er erst einmal beschrieben ist – mein Stolz und Antrieb für das nächste Jahr und ich teile ihn gerne mit euch, mit Ihnen.

Blaue Stunde 2017
Blaue Stunde 2017

Das Jahr 2017, das im chinesischen Zeichen des Feuerhahns stand, begann mit einer davon inspirierten Serie von Aktzeichnungen, die noch im Rahmen eines Zeichenkurses unter Axel Himburg 2016 in Wiesbaden entstanden und 2017 fortgeführt und beendet wurde. Diese Zeichnungen füllte ich kaleidoskopartig mit Farbe, die sich wie Flammen über die Körper ausbreitete, daher der Name Feuerakte.

Drahthenrik, 2017
Drahthenrik, 2017

Außerdem hatte ich die große Freude, in diesem Jahr erstmals auch selbst Kurse geben zu dürfen. Ich bot mehrere Aquarell- und Zeichenkurse an und empfand die Arbeit mit den Kursteilnehmenden als sehr glücklich und bereichernd. Einen herzlichen Dank an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer für viele produktive und Spaß machenden Abende. Eine Inspiration, die ich aus den Kursen für meine eigene Arbeit zog, war die Idee zu den Drahtbildern. Ähnlich der Ergänzung der Feuerakte durch Farbe, werden hier Zeichnungen durch Muster ergänzt. Dies verleiht den Bildern etwas Zartes, Filigranes, das an ziselierten Schmuck erinnert.

Emma, 2017
Emma, 2017

An Ostern 2017 startete das große, bis auf weiteres fortlaufende Projekt sonntags. In dieser Portraitserie geht es um die Frage „Wer ist die Stadt?“. Wer lebt in einer Stadt und wer macht eine Stadt aus? Aber auch, was macht den Menschen aus? Jeden Sonntag verteilt die Private Obdachlosenhilfe Wiesbaden Nahrung und Kleidung an die Menschen, die sich mittags auf dem Luisenplatz in Wiesbaden einfinden. Die Portraitserie sonntags zeigt die Menschen, die mir dort begegnet sind.


Die Bilder male ich nach Fotos, die bei diesen Begegnungen entstehen. Die Modelle sind Menschen, die es nicht gewohnt sind, ständig fotografiert zu werden; die, sobald sie eine Kamera erblicken, ein professionelles Fotografier-Gesicht aufsetzen. Und doch sind sie gut darin, sich nicht zu zeigen, sich zu verstecken und zu verstellen, um sich selbst zu schützen.


Er ist kurz, der ehrliche Moment, der mir - quasi als Einverständnis und Vertrag der gemeinsamen Arbeit - erlaubt, ein Foto zu machen. Ich muss mich beeilen. Dann ist der Moment vorbei, die Person wendet sich ab, das angedeutete Lächeln gleitet aus den Gesichtszügen, wird vielleicht laut und verändert sich: ich beginne lästig zu werden. Den kurzen Moment der Zustimmung, des entgegengebrachten Vertrauens, die Öffnung mir gegenüber, gilt es im Portrait festzuhalten.


Der Name der Serie sonntags bezieht sich auf den Wochentag der Begegnungen, stellt aber auch einen Bezug zum Begehen des „Heiligen Tages“ dar. Der Sonntag ist vielleicht der Tag, an dem man einen Sonntagsbraten isst, an dem man sich herausputzt und mit der Familie einen Sonntagsausflug macht. Oder nicht?

 

Um Neues zu sehen, müssen oft neue Perspektiven eingenommen, manchmal auch Komfortzonen verlassen werden. Öffnen wir die Augen, um zu sehen. Schauen wir hin.

Ich wünsche euch und Ihnen einen glücklichen Abschluss des Jahres 2017!

 

Herzliche Grüße,

 

Ihre Daniela Neumann

 

PS: Vielleicht möchtet ihr oder möchten Sie mir ein Feedback zu meinen Arbeiten geben. Ich freue mich sehr darüber!